Als Johann in den Wald ging, um Brennnesseln und Goldrute für seine kranke Schwester zu sammeln, erschien ein Engel.
„Die Spinne oder die Schlange“, sagte der Engel und zog eine Spinne und eine Schlange aus seinem Gewand.
Johann ließ seinen Korb fallen.
„Die Spinne oder die Schlange“, wiederholte der Engel.
„Die Spinne“, stotterte Johann, der ganz bleich war.
„Gut, die Spinne“, sagte der Engel und legte Johann die Spinne in die Hand und behielt die Schlange bei sich.
„Du darfst mir acht Fragen stellen. Für jede Frage ein Spinnenbein.“
„Warum zeigen sich Engel nie?“, platzte es aus Johann heraus und er legte seine Finger um ein Spinnenbein und riss und das Tier zuckte.
„Weil ihr dann nicht mehr glaubt“, sagte der Engel.
„Und warum zeigst du dich mir?“, fragte Johann und riss der Spinne das zweite Bein heraus.
„Weil du nicht glaubst“, sagte der Engel.
„Stirbt meine Schwester?“, fragte Johann und zupfte das dritte Bein heraus und das Tier zuckte ein bisschen weniger und Johann schluchzte.
„Ja“, antwortete der Engel.
„Gibt es nichts, was ich tun kann?“ fragte Johann und Tränen fielen und er rupfte das vierte Bein und das Tier war still.
„Nein“, sagte der Engel: „Es gibt nichts.“
„Kannst du etwas tun?“
„Ich habe noch nie etwas getan, aber ich kann.“
„Wirst du etwas tun?“
„Nein“, antwortete der Engel.
„Warum wirst du nichts tun?“, schrie Johann und aus dem Geäst der Tannen flogen Krähen.
„Weil sie glaubt.“
Johann zögerte und schließlich riss er der Spinne das letzte Bein heraus und warf ihren Körper auf den Waldboden.
„Was wäre geschehen, wenn ich die Schlange gewählt hätte?“
„Natürlich nichts“, sagte der Engel und die Schlange fraß den Spinnenkörper. „Schlangen haben doch keine Beine“, sagte der Engel und verschwand.

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